Leitartikel: »Weltbild«

Von Siegfried Woitinas

I: Sichtbare und unsichtbare Welten

„Wir sehen nur die Bereiche der Welt, für die wir Sinne haben und auf die wir unsere denkende Aufmerksamkeit richten.«

Das menschliche Auge ist eines der höchstentwickelten Sinnesorgane. Auf seine Wahrnehmung der Dinge des dreidimensionalen Raumes und des physikalisch erfassbaren Lichtes gründet sich das naturwissenschaftlich erforschbare Weltbild. Das Auge zeigt uns aber nur die Oberfläche aller irdischen und kosmischen Erscheinungen, nicht ihr schöpferisches Leben und ihren Ursprung.

Was jedoch die Erklärung von Leben und Bewusstsein betrifft, da stößt auch die moderne Quantenphysik an ihre Grenzen, insofern sie sich alleine auf die Sinneswahrnehmung stützt und den Blick nur nach außen richtet. –
Doch der Mensch ist mehr als nur Auge und auch mehr als nur die Gesamtheit seiner Sinne. Er ist durch das Zusammenspiel seiner Sinnesorganisation mit seinem Denken, Fühlen und Wollen als ganzer Mensch ein »Sinnesorgan«, durch welches alle sichtbaren und unsichtbaren Kräfte der Welt wirken und sich ihrer selbst bewusst werden! So kann sich der Mensch mit seinem Selbstbewusstsein als ein Teil von ihnen als »Ich« erleben. Und in dem Maße, in dem er in sich auch den scheinbar verborgenen Teil der Weltwirklichkeit als Realität erkennt, erfasst er auch das Geheimnis der ganzen Evolution.

II: Der Physiker Max Planck

Aus: »Tachyonen-Energie«, Opitz

»Als Physiker, also als Mann, der sein ganzes Leben der nüchternen Wissenschaft, nämlich der Erforschung der Materie diente, bin ich sicher frei davon, für einen Schwarmgeist gehalten zu werden. Und so sage ich Ihnen nach meiner Erforschung des Atoms dieses:
Es gibt keine Materie an sich!
Alle Materie entsteht und besteht nur durch eine Kraft, welche die Atomteilchen in Schwingung bringt und sie zum winzigsten Sonnensystem des Atoms zusammenhält. Da es aber im ganzen Weltall weder eine intelligente noch eine ewige Kraft gibt, so müssen wir hinter dieser Kraft einen bewussten, intelligenten Geist annehmen.
Dieser Geist ist der Urgrund aller Materie! Nicht die sichtbare, aber vergängliche Materie ist das Reale, Wahre, Wirkliche, sondern der unsichtbare, unsterbliche Geist ist das Wahre! Da es aber Geist an sich allein ebenfalls nicht geben kann, sondern jeder Geist einem Wesen angehört, müssen wir zwingend Geistwesen annehmen. Da aber Geistwesen nicht aus sich selber sein können, sondern geschaffen worden sein müssen, so scheue ich mich nicht, diesen geheimnisvollen Schöpfer zu benennen, wie ihn alle Kulturvölker der Erde früherer Jahrtausende genannt haben: Gott.
So sehen Sie, meine verehrten Freunde, wie in unseren Tagen, in denen man nicht mehr an den Geist als den Urgrund aller Schöpfung glaubt und darum in bitterer Gottesferne steht, gerade das Winzigste und Unsichtbare es ist, das die Wahrheit wieder aus dem Grabe materialistischen Stoffwahnes herausführt und die Türe öffnet in die verlorene und vergessene Welt des Geistes.«

III: Der Mythos: Die Suche nach der eigenen Göttlichkeit

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Die alte hinduistische Legende erzählt, dass es eine Zeit gab, als alle Menschen Götter waren. Doch trieben sie mit ihrer Göttlichkeit dermaßen Missbrauch, dass Brahma, der Herr der Götter, entschied, ihnen die göttliche Macht wieder zu nehmen und diese an einem Ort zu verbergen, wo sie sie unmöglich wieder finden würden. Die große Frage aber war, wo sich ein geeignetes Versteck finden ließe.
Als die niederen Götter zu einer Beratung des Problems zusammengerufen wurden, machten sie folgenden Vorschlag: »Lasst uns die Göttlichkeit der Menschen in die Erde vergraben!«, worauf Brahma entgegnete: »Nein, das genügt nicht, denn der Mensch wird graben, bis er sie findet.«
Also gaben die Götter zur Antwort: »In diesem Fall wollen wir die Göttlichkeit des Menschen in das tiefste der Meere versenken.«
Brahma jedoch antwortete: »Nein, denn früher oder später wird der Mensch die Tiefen aller Ozeane erforschen und wird sie mit Sicherheit eines Tages wiederfinden und sie an die Oberfläche bringen.«
So kamen die niederen Götter zum Schluss: »Wir wissen nicht, wo wir sie verbergen sollen, denn weder auf der Erde noch im Meer scheint es einen Ort zu geben, zu dem der Mensch nicht eines Tages Zugang finden würde.«
Also sprach Brahma: »Wir werden mit der Göttlichkeit des Menschen folgendes tun: Wir verbergen sie in den Tiefen seines eigenen Inneren, denn das ist der einzige Ort, wo er nie darauf kommen wird, zu suchen.«
Seit dieser Zeit, so schließt die Legende, hat der Mensch die Runde um die Erde gemacht, hat geforscht, hat höchste Höhen erklommen, ist getaucht und hat gegraben nach etwas, das sich in seinem eigenen Inneren befindet.

Siegfried Woitinas