Leitartikel: Machtwechsel?
Von Siegfried Woitinas
»Es ist der Geist, der sich den Körper baut.«
Friedrich Schiller
Ist es erstaunlich, dass in einer Zeit gewaltiger gesellschaftlicher
Umbrüche, die immer deutlicher alle scheinbar gesicherten
Lebensumstände in Frage stellen, auch das gesamte Weltbild
sowie das Bild des Menschen in Bewegung geraten ist?
Ist denn der für seine Zeit revolutionäre Entwicklungsgedanke
durch Darwin auf die biologische Evolution beschränkt, die
sich durch Jahrmillionen vollzogen und den Menschen als ein
bewusst denkendes und fühlendes Wesen hervorgebracht hat,
zu Ende?
Erleben wir nicht gerade in den letzten Jahrzehnten, wie das überbordende Denkpotenzial der Menschen fantastische technische Schöpfungen hervorgebracht hat, die vor 100 Jahren noch undenkbar waren?
Aber erleben wir nicht zu gleicher Zeit, wie durch eine hohe abgehobene Intelligenz genial erscheinender Finanz- und Wirtschaftwissenschaftler, denen der Sinn für die elementare Lebenswirklichkeit verloren gegangen ist, der ganze Globus in ein nie da gewesenes Chaos gestürzt wird?
Welches Welt- und Menschenbild steht hinter der Gesinnung von Personen, die Mensch und Erde zum Spielball ihres Machtund Gewinnstrebens gemacht und auch die Tragweite ihres Handelns noch immer nicht begriffen haben?
Ist die Evolution der Intelligenz auf einem Höhepunkt angelangt, auf dem sie sich selbst vernichtet? Sollten die Prinzipien der Evolution tatsächlich: »Zufall«, »Selektion« und »Kampf ums Dasein« heißen, die den weisheitsvollen Wunderbau des menschlichen Organismus hervorgebracht haben?
Noch ist das mechanistisch-materialistische Menschen- und Weltbild vorherrschend. Es reduziert den Menschen auf ein sinnloses Zufallsprodukt, dessen Gestalt sich mit dem Tode wieder in bedeutungslose Materie auflöst?
Aus dieser Anschauung kann jedoch keine Antwort gefunden werden auf die großen Fragen des Lebens: »Was macht den Menschen zum Menschen?«, wenn doch der rein genetische Unterschied zu anderen Lebewesen erstaunlich gering ist.
Und: »Was bleibt vom Menschen nach dem Tode?«, wenn doch der physische Körper, dem wir das Bewusstsein unserer individuellen Gedanken, Gefühle verdanken, mit dem Tode wieder in Staub zerfällt?
Eine rein gefühlsmäßige Überzeugung, dass der Mensch mehr ist als nur der sichtbare Körper mit gewissen Lebens- und Bewusstseinsfunktionen, reicht gegenüber den naturwissenschaftlichen Fakten nicht mehr aus. Auch eine auf Tradition gestützte Ethik erweist sich als hohl und kraftlos.
Dennoch ist die Entwicklung des Bewusstseins nicht zu Ende! Eine immer größere Zahl von einzelnen Forschern überschreitet die Grenze der rein sinnlich-sichtbaren zur unsichtbaren Welt. Auf den Gebieten der Quantenphysik, der Neurologie, der Medizin und anderen Gebieten rücken immer mehr die unsichtbar, energetischen Kräfte ins Blickfeld, welche sich in ihren Wirkungen in der materiellen Welt manifestieren. Sie zeigen uns letztendlich die eigentlich geistigen Ursachen für die unendlich weisheitsvolle Vielfalt der Natur und den kraftvoll schaffenden Strom der Evolution, der auch den Menschen hervorgebracht hat.
Aber weil dieser Evolutionsstrom nur in seinen Wirkungen in der materiellen Erscheinungswelt mit physischen Instrumenten gemessen, aber nicht unmittelbar sinnlich erfasst werden kann, entzieht er sich mit seiner alles Leben gestaltenden Kraft der direkten Beobachtung. So fällt es dem Forscher, der sich nur auf die materielle Realität beschränkt, leicht, diese unsichtbare Wirklichkeit zu leugnen.
Wer jedoch die unmittelbar seelische und geistige Beobachtungsfähigkeit des Menschen zur Kenntnis nimmt, wird auch die Antwort auf die oben gestellten Fragen finden: »Was macht den Menschen zum Menschen?« und »Was bleibt von Menschen nach dem Tode?«
Weitere Leitartikel:
Folgen der Versäumnisse (1–3/2012)
Das "Entscheidende" (9–12/2011)
"Menschenbeben – Erdenbeben – unfassbare Gewalten" (5–8/2011)
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"Gehirn, Bewusstsein und Geist" (1–12/2010)
"Weltbild" (9–12/2009)
Machtwechsel? (4–8/2009)
Egoismus absolut? (1–4/2009)
Das Dogma der materialistischen Weltanschauung, das nur die Materie als einzige Wirklichkeit anerkennt, wirkt jedoch wie eine im Menschen unbewusste Macht und wirkt in alle Denkformen, Lebensumstände und bildet den Grund für die Wertmaßstäbe und Strukturen der heutigen Gesellschaft. Was geschieht, wenn dieses Dogma überwunden wird?
Erleben wir durch die sozialen Erschütterungen der Gegenwart einen Machtwechsel, der dem lange geleugneten geistigen Teil in der menschlichen Evolution zur Wirksamkeit verhilft?
Immer waren es in der Menschheitsgeschichte einzelne frei und schöpferisch forschende Persönlichkeiten, welche die neuen Erkenntnisse oft gegen die herrschende Meinung in die Welt gebracht haben. Zu Tausenden sind sie bereits in den praktischen sozialen Zusammenhängen tätig. Bahnt sich also ein Machtwechsel an?
Es geht heute nicht mehr um eine neue Machtverteilung zwischen den herrschenden Gruppen! Es wird letztendlich nicht zu umgehen sein, dass angesichts der »Ohnmacht der Mächtigen« die Menschen vor Ort die zukünftige Ordnung ihrer existenziellen Lebensangelegenheiten immer entschiedener in die eigenen Hände nehmen. Dann wird auch der eigentliche Sinn des Lebens entdeckt werden können. – Die Evolution geht zwar durch Krisen, aber sie ist nicht zu Ende! Sie ist heute in die Hände der Menschen gelegt.
Siegfried Woitinas